TES Technische Sicherheit - Gefahrgutumschließungen
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Bundesadler


Tunnelvorschriften

1. Worum geht's?

Tunnelvorschriften sind einheitliche Vorschriften für die Beschränkung der Nutzung von Tunneln durch Beförderungseinheiten (z.B. LKW, Zug) mit Gefahrgut.


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2. Hintergrund

Wegen der baulichen Gegebenheiten können Unfälle in Tunneln, und dabei ganz besonders Feuer, dramatische Folgen haben. Zusätzlich kann eine plötzliche Unterbrechung des Verkehrsweges schwere wirtschaftliche Folgen für eine ganze Region nach sich ziehen.

Die am 30. April 2004 in Kraft getretene Richtlinie 2004/54/EU legt einen Anforderungskatalog fest, der sowohl die Organisation, also die Rollen und Verantwortlichkeiten der an der Tunnelsicherheit Beteiligten, als auch die technischen Anforderungen an die Tunnel-Infrastruktur, den Betrieb, die Verkehrsregeln und die Verbraucherinformationen beschreibt.

Die Richtlinie 2004/54/EG fordert für den Gefahrguttransport:

Darauf hin ergab sich zwingend auch eine Änderung der Gefahrgutvorschriften.

Mit dem RID/ADR 2007 traten die Tunnelvorschriften in Kraft.

Praktisch konnten sie aber kaum umgesetzt werden, da die Mitgliedsstaaten mit der Risikoanalyse der Tunnel und somit der Tunnelklassifizierung, der entsprechenden Beschilderung bzw. die der Ausweichstrecken in Verzug gerieten.

Diese Zeit nutzte man, um die Anwendbarkeit der Gefahrgutvorschriften zu verbessern.


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3. Tunnelkategorien / Tunnelbeschränkungscode (TBC)

3.1 Tunnelkategorien

Kürzel Beschreibung
- ("A") keine Beschränkung für gefährliche Güter (UN 2919 und 3331, siehe 8.6.3.1)
B Beschränkungen für gefährliche Güter, die zu einer
  • sehr großen Explosion
führen können
C Beschränkungen für gefährliche Güter, die zu einer/einem
  • sehr großen Explosion ("B"-Güter)
  • großen Explosion
  • Freiwerden giftiger Stoffe
führen können
D Beschränkungen für gefährliche Güter, die zu einer/einem
  • sehr großen Explosion ("B"-Güter)
  • großen Explosion
  • Freiwerden giftiger Stoffe
  • großen Brand
führen können
E Beschränkungen für alle gefährlichen Güter außer UN-Nummern 2919, 3291, 3331, 3359 and 3373

3.2 Tunnelbeschränkungscode (TBC)

In der Tabelle A, Kapitel 3.2 des ADR wird der unteren Hälfte der Spalte 15 der Tunnelbeschränkungscode angegeben, der aussagt für welche Tunnelkategorie die Beförderung mit diesem Gut verboten ist.

Arten und Hierarchie der TBC:

TBC der gesamten Ladung Beschränkung
- Durchfahrt durch alle Tunnel erlaubt ("A"-Tunnel) (UN 2919 und 3331, siehe 8.6.3.1)
B Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorie B, C, D und E
B1000C Wenn die gesamte Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit
  • Größer als 1000 kg ist: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorie B, C, D und E
  • Kleiner als 1000 kg ist: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien C, D und E
B/D Beförderung in Tanks: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien B, C, D und E.
Anderer Transport: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien D und E.
B/E Beförderung in Tanks: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien B, C, D und E.
Anderer Transport: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien E.
C Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien C, D und E
C5000D Wenn die gesamte Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit
  • Größer als 5000 kg ist: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorie C, D und E
  • Kleiner als 5000 kg ist: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien D und E
C/D Beförderung in Tanks: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien C, D und E.
Anderer Transport: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien D und E.
C/E Beförderung in Tanks: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien C, D und E.
Anderer Transport: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien E.
D Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorie D und E.
D/E Beförderung in loser Schüttung oder in Tanks: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien D und E.
Anderer Transport: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien E.
E Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorie E.

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4. Tunnelvorschriften der Länder (Nationale Regelungen)

Die nationaler Besonderheiten / Einschränkungen werden auf den Websites von UN-ECE publiziert:

List of Competent Authorities for the application of ADR including Chapter 1.5 and notifications

Beschränkung der Nutzung von Straßentunneln Informationen beim BMVI

Multilaterale Vereinbarung M286 nach Abschnitt 1.5.1 ADR über die Durchfahrtsbeschränkung in Straßentunnel


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5. Verkehrszeichen

5.1 Angabe von Tunnelverboten ( C, 3h + Zusatztafeln B, C, D oder E) und Alternativstrecken (D, 10 a, D, 10 b, D, 10 c)

Das Zeichen C, 3h muss mit einer Zusatztafel für die Tunnelkategorien (B, C, D oder E) versehen sein.

Gleichzeitig müssen (wenn vorhanden) auch die Hinweise für die Alternativstrecken angegeben werden.

Es können auch zeitliche Befristungen für die Tunnelkategorien angegeben werden.

Tunnelverbotszeichen
Zusatztafeln
Zeichen für Alternativstrecken

C, h 3

Verbot für kennzeichnungspflichtige Kraftfahrzeuge mit gefährlichen Gütern

Verbot für Fahrzeuge mit Gefahrgut des Tunnelbeschränkungscodes "B"

oder

Verbot für Fahrzeuge mit Gefahrgut des Tunnelbeschränkungscodes "C"

oder

Verbot für Fahrzeuge mit Gefahrgut des Tunnelbeschränkungscodes "D"

oder

Verbot für Fahrzeuge mit Gefahrgut des Tunnelbeschränkungscodes "E"

Alternative Route D, 10 a Alternative Route D, 10 b Alternative Route D, 10 c
D, 10 a, D, 10 b, D, 10 c

Dieses (alte) Verkehrszeichen kann auch noch vor der Tunneleinfahrt stehen:
261 STVO, German sign
Zeichen 261 STVO
Verbot für kennzeichnungspflichtige Kraftfahrzeuge mit gefährlichen Gütern
(Nur Deutschland)

5.2 Beschilderung der Tunnel

Schilder
Bedeutung

Straßentunnel: Zeichen E, 11a und E, 11b der "Convention on Road Signs and Signals" Straßentunnel: Zeichen E, 11a und E, 11b der "Convention on Road Signs and Signals"

E, 11a und E, 11b

"Straßentunnel"
Zeichen E, 11a und E, 11b

Die Länge des Tunnels ist entweder im unteren Teil des Schildes oder auf einem Zusatzschild H2 anzugeben.
Bei Tunneln von mehr als 3000 m Länge ist alle 1000 m die noch zurückzulegende Tunnelstrecke anzuzeigen.
Der Name des Tunnel kann ebenfalls angegeben werden.

Zeichen 328 STVO ("Pannenbucht") "Pannenbucht" E, 17b der "Convention on Road Signs and Signals"

E, 17a und E, 17b

"Pannenbucht"
Zeichen 328 STVO bzw. E, 11a und E, 11b

Hinweise auf Notruftelefone und Feuerlöscher sind auf einem Zusatzschild anzuzeigen oder in das Zeichen selbst einzubeziehen.

"Notruftelefon" F, 14

rechts: F, 14

"Notruftelefon"
Zeichen F, 14

In Notrufstationen, die vom Tunnel durch eine Tür getrennt sind, muss ein klar lesbarer und in geeigneten Sprachen abgefasster Text gemäß nachstehendem Beispiel darauf hinweisen, dass die Notrufstation keinen Schutz bei Feuer bietet.

"KEIN BRANDSCHUTZ IN DIESEM RAUM
Folgen Sie den Zeichen zu den Notausgängen"

"Feuerlöscher" "Feuerlöscher"

F, 15

"Feuerlöscher"
Zeichen F, 15

Die den Tunnelnutzern in Notrufstationen zur Verfügung stehenden Ausrüstungen sind mit "F"-Hinweiszeichen gemäß dem Wiener Übereinkommen anzuzeigen, wie z.B.:

Notausgänge I Notausgänge I

G, 23a und G, 23b

Notausgänge I
Zeichen G, 23a und G, 23b der "Convention on Road Signs and Signals"

Zur Kennzeichnung von Notausgängen sollten "G"-Zeichen verwendet werden. Beispiele:

Notausgänge II Notausgänge II Notausgänge II

G, 24a und G, 24b und G, 24c

Notausgänge II
Zeichen G, 24a und G, 24b und G, 24c

Außerdem ist durch an den Tunnelwänden angebrachte Zeichen auf die zwei nächstgelegenen Notausgänge hinzuweisen.

Fahrstreifensignale
Fahrstreifensignale

Fahrstreifensignale

Diese Zeichen können kreisförmig oder rechteckig sein:

Rundfunkempfang

In Tunneln, in denen Rundfunkinformationen empfangen werden können, sind die Tunnelnutzer mittels geeigneter Zeichen vor dem Tunneleingang auf diese hinzuweisen.

Wechselverkehrszeichen

Alle Wechselverkehrszeichen müssen die Tunnelnutzer unmissverständlich auf Staus, Pannen, Unfälle, Brände oder sonstige Risiken hinweisen.

Fahrbahnmarkierung

Zur Abgrenzung der Fahrbahn gegen den Straßenrand sollte eine entsprechende Fahrbahnmarkierung angebracht werden.
In Gegenverkehrstunneln sollten die beiden Richtungsfahrbahnen entlang der Mittellinie (Einzel- oder Doppellinie) mit deutlich sichtbaren Mitteln voneinander getrennt werden.


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6. Siehe auch (TES-interne Links)


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7. Weblinks (externe Links)


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2015-11-30
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